Verkehr: Staus in Norderstedt

"Im Stau stehen ist blöd, oder?" Autofahrer verbringen laut unterschiedlicher Studien zwischen 11 bis zu 21 Tagen pro Jahr in verkehrsbedingten Staus. Bei Pendlern handelt es sich dabei um wertvolle vergeudete Freizeit. Bei Berufsfahrern geht es dabei um wertvolle Arbeitszeit. Verschiedene Speditionen mussten daher ihre Transporttarife um diesen Zeitfaktor nach oben hin anpassen, was dazu führt, dass alle Waren und Dienstleistungen, die über die Straße transportiert werden müssen, sich verteuern. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm, leider auch hier in Norderstedt. Nicht zuletzt durch ideologisch von den damaligen Parteien geprägte Beschlüsse wurde ein Autobahnanschluß "Norderstedt Mitte" vor gut 10 Jahren verhindert. Denken Sie einfach einmal daran, wenn Sie das nächste Mal wieder im Stau stehen.

"Mehr gute Straßen - weniger Stau". Norderstedt hat derzeit, außer beim Ortseingang vor Tesa, keine einzige vierspurige Straße. Dabei wächst die Stadt kontinuierlich. Ein Hinweis meinerseits, dass hier hoher Handlungsbedarf existiert. "Verwaltung als Dienstleister für die Bürger" darf dabei aber nicht heißen, dass Wohnstraßen willkürlich saniert und anschließend die Anwohner mit bis zu 90% der Instandhaltungskosten belastet werden. Hier sind die geltenden Gesetze zu berücksichtigen und streng im Sinne der Einwohner der Stadt in Anwendung zu bringen, unabhängig davon, ob der Landesrechnungshof das rügt oder nicht. Ermessensspielräume sollten besonders hier im Sinne der Anwohner ausgereizt werden, die in früheren Jahren bereits Erschließungsgebühren gezahlt haben. Jemand, der auf seiner Straße nur Durchgangsverkehre hat, darf nicht erneut für Instandhaltungskosten der Straße finanziell herangezogen werden.

 

"Mehr Gedankenblitze - weniger Blitzer". Die Zuspitzung dieses Slogans soll uns alle auf das Reibungsfeld zwischen zwei Interessengruppen sensibilisieren. Zum einen gibt es die Gruppe von Anwohnern, die die städtischen Blitzeranlagen begrüßen, da die Verkehrlärmbelästigung durch die Tempofallen reduziert wird. Zum anderen gibt es die große Gruppe von Pendlern und Autofahrern, die sich durch diese Maßnahmen gegängelt und "abgezockt" fühlen. Ich halte es dabei für vollkommen nebensächlich, wenn aus Verwaltungskreisen diese Blitzeranlagen als "goldene Kühe" gehandelt werden und man sich über eine zehnfache Amortisation der Leasingkosten erfreut. Unter dem Strich sehe ich diese Blitzeranlagen als Ergebnis einer bislang völlig vernachlässigten Verkehrsinfrastrukturpolitik, bei der ich dringlichen Handlungsbedarf erkenne.

Wenn z.B. im "Garstedter Dreieck" 5.000 neue Wohnungen geschaffen werden, folgen daraus derzeit rund 10.000 weitere PKW, die durch ihren Ziel- und Quellverkehr die Straßen zusätzlich belasten. Hier muss ein inner- wie außerstädtisches Verkehrskonzept schnellstmöglich Abhilfe schaffen. Ich sehe es als Aufgabe der Verwaltung, hier Beschlussvorlagen für die Gremien mit hoher Expertise anzufertigen, damit sachlich fundiert die beste Möglichkeit für die Bürger geschaffen wird, diesem Problem Herr zu werden.

Aber um mit der Verkehrssituation gänzlich fertig werden zu können, sind auch überregionale "groß gedachte" Lösungen wichtig. Ich meine hier nicht nur die Abstimmung mit den Nachbargemeinden Tangstedt, Bad Segeberg, Bönningstedt, Hasloh und Quickborn. Es muss auch über eine "Ostumgehung Hamburg" nachgedacht, geplant und in den Bundesverkehrswegeplan eingebracht werden.

 

 

"Mehr E-Mobilität - weniger Lärm". Es ist nicht nur der Verkehrslärm, der unsere Einwohner belastet. Es sind auch die Schadstoffe. Jüngst haben Umweltverbände damit begonnen, Städte zu verklagen, um Umweltzonen und Fahrverbote zu erwirken. Derzeit ist Norderstedt zwar noch nicht davon betroffen, gleichwohl ist es sinnvoll, die Autofahrer und Einwohner auf die generelle Problematik zu sensibilisieren. Wir veranstalten dazu einen Info-Abend vom ALSTER BUSINESS CLUB, zu dem die Einwohner von Norderstedt freien Eintritt haben.

Selbstlenkende Systeme - autonomes Fahren

Auch dieses Thema wird die Stadtplanung zukünftig beeinflussen und ist zu berücksichtigen. Wäre es nicht reizvoll, am Abend zu Kollegen oder Freunden zu fahren, dort gemeinsam etwas zu trinken und sich anschließend von seinem Auto völlig legal nach Hause fahren zu lassen? In einigen Bundesstaaten Amerikas ist das schon Realität. Und auch bei uns ist man dabei, die gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Änderung der Nutzungsgewohnheiten - Car-Sharing

Die junge Generation legt Wert auf Mobilität, nicht unbedingt mehr darauf, selbst ein eigenes Auto zu besitzen. Dieser Trend ist auch in Norderstedt schon angekommen. Junge Leute haben erkannt, dass eigene Autos viel Kapital binden und dabei die meiste Zeit vor der Tür stehen. Deshalb stehen bei den Unternehmen derzeit Mobilitätskonzepte hoch im Kurs. Car-Sharing kann mittelfristig die Straßen in Norderstedt auch wieder entlasten. Doch wollen wir so lange warten und bis dahin weiter im Stau stehen?

Fahrradfahrer und Fahrradwege

Zwischenzeitlich lassen sich verschiedene Gruppen von Fahrradfahrern identifizieren. Die Familien-Freizeit-Fahrradfahrer, die gelegentlich und zum Vergnügen Rad fahren und die Gruppe der "professionellen" Radfahrer, die mit ihrem Rad schnell von A nach B gelangen möchten und das Auto beim Arbeitsweg gegen das Rad eingetauscht haben. Das Thema Fahrrad wird auch in Norderstedt immer wichtiger. Elektro-Fahrräder unterstützen die Entwicklung und eröffnen dabei auch völlig neue Möglichkeiten. So nutzt z.B. United Parcel Service (UPS) in ausgesuchten Regionen schon heute Lastenfahrräder mit Elektroantrieb, um emissionsfrei die Ballungszentren zu beliefern. Auf dem als Dreirad konstruierten Fahrrad passt eine Europalette, auf der die Pakete ausgeliefert werden. Die von Hamburg bereits geplanten Fahrradschnellstraßen, die bis nach Neumünster führen sollen, werden auch die Verkehrsplanung in Norderstedt beeinflussen.