Auch Jens Kahlsdorf will OB werden

Einst umstrittener Kommunalpolitiker, weiß der Unternehmer große Teile der Wirtschaft hinter sich

Norderstedt.  Mit einem Paukenschlag geht die Wahl zum Oberbürgermeister in Norderstedt weiter: Jens Kahlsdorf bewirbt sich um den Posten. Damit wirft ein Mann seinen Hut in den Ring, der als Kommunalpolitiker umstritten war und einen handfesten Skandal heraufbeschworen hat. Der Norderstedter, der eine Werbefirma betreibt, hatte 2003 in der Diskussion um die Umwandlung der Stadtwerke in eine GmbH die Vokabeln "Ermächtigungsgesetz" und "Reichskristallnacht" mit den Stadtwerken in Zusammenhang gebracht.

Zwei Jahre später sorgte er wieder für Schlagzeilen: Die Badleitung belegte ihn mit einem Verbot für die Arriba-Sauna. Dagegen erwirkte der damalige Kommunalpolitiker eine einstweilige Verfügung.

Wirtschaftsclub mit knapp 1100 Mitgliedern aufgebaut

"Das ist lange her", sagt der 57-Jährige, der 2008 seine politische Karriere beendete. Er habe das Zitat mit Blick auf die Stadtwerke ungeprüft übernommen, was nicht hätte passieren dürfen, und anschließend immer wieder betont, "wie blöd und unangemessen" seine Wortwahl gewesen sei. Auch das Saunaverbot habe sich erledigt, der Streit sei längst beigelegt. Gegen das Hausverbot gab es eine einstweilige Verfügung, da andere Saunagäste zigfach mit eidesstattlichen Versicherungen belegten, dass die erhobenen Vorwürfe unhaltbar waren. Auch die Androhung eines Hausverbotes gegen seine Frau wurde gerichtlich durchgefochten.

Seitdem hat der "bunte Hund", wie Kahlsdorf vom Hamburger Abendblatt bezeichnet wird, den Alster Business Club aufgebaut. Dem Wirtschaftsnetzwerk gehören inzwischen knapp 1100 Unternehmen aus Norderstedt, Hamburg, Kiel, Bremen und Berlin an – eine wirtschaftliche Macht: Die Mitgliedsunternehmen stehen für einen Gesamtumsatz von 82,7 Milliarden Euro, sie beschäftigen 517.000 Mitarbeiter und zahlten Ende 2015 rund 14 Milliarden Euro Steuern. Zu den Mitgliedern zählen auch Politiker wie Ex-Oberbürgermeister und Innenminister Hans-Joachim Grote, der frühere Stadtrat Harald Freter, der Segeberger SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes und der Vizepräsident der IHK Lübeck, Bernd Jorkisch. "Sie wären nicht Mitglieder, und ein Peer Steinbrück würde bei uns nicht referieren, wenn sie mich in Zusammenhang mit rechtsextremem Gedankengut bringen würden", sagt Kahlsdorf, Präsident des Wirtschaftsclubs.

Der Club habe ihn gedrängt, sich als Oberbürgermeister zu bewerben. Die bisherigen Bewerber hätten die Wirtschaftsvertreter nicht überzeugt. "Auch in Gesprächen mit Bürgern habe ich immer wieder gehört, dass die Kandidaten nicht als erste Wahl gesehen werden", sagt der Unternehmer, der als parteiloser Bewerber den Chefsessel im Rathaus erobern will.

"Keiner Partei anzugehören, sehe ich als Vorteil. Man kann ohne Parteizwang frei entscheiden", sagt Kahlsdorf, der getrennt lebt und eine Tochter hat. Er will den guten Weg, den Grote beschritten habe, fortsetzen und Norderstedt noch wirtschaftsfreundlicher gestalten. Auch das Betreuungs- und Bildungsangebot sei ihm wichtig.

Der Industriekaufmann, der noch ein interdisziplinäres Studium mit Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Soziologie absolviert hat, hat keine Verwaltungserfahrung. "Das sehe ich nicht als Manko. Die Clubmitglieder bestätigen mir Führungsqualität. Deswegen sage ich: Ich traue mir das Spitzenamt zu", sagt Kahsldorf, der wie alle Bewerber, die nicht von einer Partei nominiert werden, 195 Unterschriften der Bürger sammeln muss.

160 hat er in wenigen Tagen zusammengebracht, weitere Unterstützer will er bei zwei Infoabenden finden: Am heutigen Dienstag geht es im Alten Reporter, Jägerlauf 1, beim Clubabend um die Business-Plattform Xing, nebenan will Kahlsdorf mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Die können ihn auch am Sonnabend, 9. September, zwischen 11 und 14 Uhr an gleicher Stelle kennenlernen. Anmeldung unter info@alster-business-club.de.