Fluglärm über Norderstedt

Fluglärm und was die "WIN" mit Reimer Rathje daraus macht...

Zahlreiche Einwohner Norderstedts haben mich darauf angesprochen und angemailt, dass der Fluglärm in Norderstedt zugenommen hat. Dieses verbanden Sie mit der Frage, was ich als Oberbürgermeister denn dagegen unternehmen würde.

 

Als "Netzwerker aus Leidenschaft" zählt Michael Eggenschwiler als Vorstandsvorsitzender des Hamburger Flughafens zu meinen persönlichen Kontakten. Daher fühlte ich mich veranlasst, "über den direkten Weg" mich per Telefon erst einmal zu erkundigen, ob der Fluglärm tatsächlich zugenommen hat und, falls ja, was man gegen diese Entwicklung zielführend unternehmen kann.

Da mein Telefonat bereits am Montag durch die Presse angekündigt war, erwartete Michael Eggenschwiler meinen Anruf schon, erläuterte mir sehr ausführlich die Zusammenhänge und empfahl mir ergänzend, seinen Leiter Axel Schmidt aus dem Zentralbereich Umwelt zu kontaktieren. Auch hier habe ich den Kontakt aufgenommen. Zusammenfassend kann ich folgendes berichten:

2014 wurde durch die Fluggesellschaften ein neues Verfahren beim Starten der Flugzeuge eingeführt. Um die Belastung der Triebwerke zu mindern und Treibstoff einzusparen, werden die Piloten angewiesen, nur bis 1.500 Fuß (ca. 500m) Höhe mit vollem Schub zu starten, dann den Schub zu reduzieren und gleichzeitig die Fläche der Tragflächen durch Ausfahren von Klappen zu vergrößern, um ein "Durchsacken" der Maschinen zu verhindern. Dieses "Flachstart-Verfahren" schont nicht nur das Flugmaterial, es reduziert zudem auch den Kraftstoffverbrauch. Die Lufthansa hat ihre Piloten jetzt sogar angewiesen, das neue "Acceleration-Verfahren" bereits ab 1.000 Fuß (ca. 305m) Höhe einzusetzen und behauptet dabei, dass bei einjährigen Tests bei 70.000 Messpunkten keine signifikanten Veränderungen in den Schallemissionen durch das veränderte Startverfahren festgestellt werden konnten. Diese Aussage ist offensichtlich falsch, so dass zahlreiche Bürger sich wiederkehrend über den hohen Lärmpegel beschweren.

Michael Eggenschwiler erzählte mir, dass gegen das "1.000-Fuß-Acceleration-Verfahren" vom Hamburger Flughafen aus bereits die dringende Empfehlung gegeben wurde, die Höhe wieder auf 1.500 Fuß zu erhöhen, um die Lärmbelastung in den Nahbereichen zu reduzieren. Der Flughafen kann den Piloten und Fluggesellschaften nur Empfehlungen geben, da jeder Pilot selbst für die Sicherheit des Flugzeuges verantwortlich ist und die Kontrolle der Flüge der Deutschen Flugsicherung obliegt. Der Hamburger Senat kündigte im Februar 2017 an, dass er sich für ein Verbot der "Flachstarts" einsetzen wolle und eine entsprechende Veröffentlichung im "Luftfahrthandbuch" vornehmen lasse.

Das für den Lärmschutz zuständige Gremium ist die "Lärmschutzkommission", in der auch die Stadt Norderstedt einen Sitz hat. Diese Kommission sei sehr ernst zu nehmen und es sei erfreulich, dass dort auf einem sehr sachlich orientierten Niveau diskutiert würde. Für die Stadt Norderstedt sitzt der Leiter des Hauptamtes, Hauke Borchardt im Gremium.

Da Hauke Borchardt ebenfalls zu meinen Kontakten zählt, rief ich ihn diesbezüglich kurzerhand an. Er erläuterte mir dann die Zusammenhänge und teilte mir zudem mit, dass er als Stellvertreter für den damaligen Oberbürgermeister in der Kommission sitzt und gerade in diesem Jahr ein starker Zuwachs von ursprünglich ca. 420 Nachtflügen auf jetzt schon 831 Nachtflügen zu beklagen sei. Hier gibt es also akuten Handlungsbedarf.

Nach meinem Kenntnisstand gründete der jetzige Oberbürgermeisterkandidat Reimer Rathje 2012 seine Partei "WIN" (Wir in Norderstedt) gegen den Fluglärm und liess sich von den Bürgern aus Norderstedt 2013 ins Rathaus wählen. Bis heute hat er 3 Sitze in der Stadtvertretung, dem höchsten Entscheidungsgremium der Stadt. Und diese Partei hat bis heute keinen einzigen Antrag zur Minderung des Fluglärms in der Stadtvertretung gestellt.

Wie sehr sich speziell dieser Kandidat mit der Thematik "Fluglärm" auseinandersetzt, mag man an seinem kürzlich geführten Interview auf "noa 4", dem örtlichen TV-Sender erkennen, wo er um die Hilfe des ehemaligen Oberbürgermeisters und jetzigen Innenministers Grote bittet. Die richtige Adresse wäre der Hamburger Wirtschaftssenator Horch gewesen, da die Hamburger Wirtschaftsbehörde die Belange des Hamburger Flughafens begleitet und steuert.

Seien Sie sich bitte sicher: Sollten Sie mich zu Ihrem Oberbürgermeister wählen, können Sie sich darauf verlassen, dass in Punkto Fluglärm gemeinsam mit dem Hauptamt die Interessen der Stadt Norderstedt und seiner Bürger ernsthaft vertreten werden.